Allein im Gespräch mit Tuvia Tenenbom

Tuvia Tenenbom

Ein Treffen mit Tuvia Tenenbom. Der israelisch-amerikanischer Autor, Regisseur und Leiter des von ihm gegründeten Jewish Theater of New York stellte jetzt sein neues Buch „Allein unter Briten” vor. Foto: Andreas Laible


5. März 2020. Wäre er nicht ein kreativer Theater-Intendant und hervorragender Schriftsteller, würde ich ihm den diplomatischen Dienst empfehlen oder – besser noch – ihn als Geheimdienst-Verhörspezialist einsetzen. Tuvia Tenenbom nimmt zwar in seiner Buchreihe „Allein unter…” kein Blatt vor den Mund, aber er versteht es wie kaum ein anderer, Menschen zu Äußerungen zu bringen, über die sonst in der Öffentlichkeit keineswegs so freimütig gesprochen wird. Ein aktuelles Beispiel hierfür, ist sein neu erschienenes Buch „Allein unter Briten”.

Der israelisch-amerikanische Autor schreibt nicht aus der Distanz über Menschen, sondern zitiert die selbst geführten Dialoge kombiniert mit persönlichen Beobachtungen und Bemerkungen. Er läßt seine Gesprächspartner einfach reden und „verführt” sie durch geschicktes Hinterfragen zu teilweise sogar strafbaren Aussagen.

Obgleich er als gebürtiger Israeli und Sohn eines Rabbiners oft antisemitische Beleidigungen hinnehmen muss, kaschiert er schweigend seine schmerzhafte Betroffenheit hinter der Maske eines professionellen Reporters, der sich im Interesse der Story nichts anmerken lässt.

„Eigentlich wollte ich über das wunderbare Theater in Großbritannien und über die kontroversen Brexit-Diskussionen schreiben”, berichtet der 63-jährige Blondschopf mit seinem typisch verschmitzten und warmherzigen Lächeln. Das über sechs Monate erlebte Schauspiel in Nordirland, Schottland, England und Wales spielte jedoch nicht auf der Bühne, sondern auf der Straße, in Restaurants, Hotellobbys und sonstwo. „Ich habe in dieser Zeit Dutzende von Menschen aus allen gesellschaftlichen Schichten und Berufsgruppen getroffen. Diese vielfach sehr vertraulichen Gespräche offenbarten die unterschiedlichsten Anschauungen über das Weltgeschehen und dem persönlichen Umfeld. Aber so konträr die Standpunkte und die teilweise ja sehr heftigen Konflikte zwischen den Briten auch sind, an einer Stelle manifestieren sie eine unerschütterliche Einigkeit. In ihrer globalen Ablehnung des Staates Israel und in ihren traditionellen Vorurteilen gegen das jüdische Volk.”

Für Tuvia Tenenbom haben die Briten einen großen Anteil am neuen Antisemitismus in Europa, der sich auch gegen Israel durch Antizionismus politisch äussert. Das ist kein Theater, sondern bittere Realität. 


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© Michel Rodzynek 2020