Der Gewichts- und Gesichtsverlust 

von EX-Vizekanzler Sigmar Gabriel

Verkleinerter Magen aber vergrößerte Taschen?

Juli 2020. Der ehemalige Vize-Kanzler Sigmar Gabriel ist weit entfernt von Political Correctness und ein lebendes Beispiel für das bekannte Adenauer-Zitat „Was kümmert mich mein Geschwätz von gestern.” 
Seine operative Magenverkleinerung vor ca drei Jahren (als politischer Weltreisender hatte er sich eine schwere Diabetes angefuttert), bescherte ihm nicht nur einen erheblichen Gewichtsverlust. Neben vielen Kilos verlor der erschlankte Politiker zudem wohl auch große Teile seiner moralischen Verantwortung als eine einflussreiche Person des öffentlichen Lebens.

Dass ausgerechnet er jetzt als bezahlter Verbündeter von Deutschlands größtem Schweineschlachter Tönnies (jährlich über 20 Milo. Tiere und ca sieben Milliarden Umsatz) enttarnt wurde, unterstreicht die doppelte Moral des ehemaligen SPD-Parteivorsitzenden, der die Bundesrepublik über Jahre als Wirtschafts- und Aussenminister weltweit vertreten durfte. Man muss über die Gründe der vorzeitigen Auflösung des auf zwei Jahre geschlossenen Beratervertrages nicht lange rätseln. Zeitlich fällt sie nämlich genau mit der offiziellen Berufung von Sigmar Gabriel in den Aufsichtsrat der Deutschen Bank zusammen. Abgesehen von den vielen unrühmlichen Schlagzeilen bestehen in dieser bizarren Angelegenheit zwischen dem Bank- und Fleischkonzern zwar keine offenkundigen Zusammenhänge. Gleichwohl bleiben Gründe und Ziele der geschmacklosen Liaison zwischen dem gierigen Ausbeuter und seinem politischen Lobbyisten ebenso unverdaulich wie die schockierenden Bilder von den Umständen auf dem mit Corona infizierten Betriebsgelände in Rheda-Wiedenbrück.
Interessant: Als der schwergewichtige SPD-Chef Gabriel von 2013 bis 2017 für das wirtschaftliche Wohl des Landes verantwortlich war, überschüttete er den skandalträchtigen Fleischkonzern mit seiner empörten Kritik über die schrecklichen Bedingungen für Menschen und Tiere. Nachdem er aber mit seiner schweren Dienstlimousine auf Einladung von Clemens Tönnies zur Besichtigung des Betriebes vorfuhr, wechselte er schnell die Fronten. Nach dem persönlichen Tête-à-Tête mit dem charmanten Hausherrn wurde aus dem kritischen Minister plötzlich ein hilfreicher Lobbyist. Und seit Anfang 2020 gingen monatlich 10.000 Euro Honorar auf das Konto des hochrangigen Politikers ein, der nun sein Geld als Berater und Publizist verdient. Kurz bevor die geheimnisvolle Affäre öffentlich wurde, hatten die Partner den Vertrag wieder gelöst. Angeblich aus gesundheitlichen Gründen des Beraters. Eine Erklärung, die mir so glaubwürdig e3rscheint, wie die verbalen Liebesbeteuerungen einer geschäftstüchtigen Hure. 

Übrigens: Auch für seine neue Aufgabe als Aufsichtsrat in der problemgeplagten Deutsche Bank wendete Sigmar Gabriel seine bewährte Akquisition-Stratagie an. 
So hielt er im Oktober 2016 auf einer Iran-Reise mit 120 Wirtschaftsbossen dem Bankhaus Spekulantentum vor. „Gier, Frechheit, Betrug und Unverantwortlichkeit dürfen sich nicht mehr lohnen. Bankmanager müssen stärker zur Rechenschaft gezogen werden.”
Eine Forderung, die er in eigener Sache gewiss mit allen Mitteln verhindern würde. „Denn was interessiert mich mein Geschwätz von gestern!”


© Michel Rodzynek 2020