Kampf gegen Antisemitismus:
Alles nur Bla-Bla?

Der bekannte Filmemacher Marc Boettcher hat den Beauftragten der Bundesregierung für jüdisches Leben in Deutschland und Kampf gegen Antisemitismus um Unterstützung für sein Fernsehprojekt über die jüdische Sängerin Belina gebeten. Als Reaktion erhielt er eine peinliche Absage von einer Mitarbeiterin im Auftrag von Dr. Flex Klein. Anbei die Korrespondenz mit der Unterzeichnerin.

Von: <HI3@bmi.bund.de>

Betreff: AW: Bitte um Unterstützung für ein Filmprojekt gegen Antisemitismus: BELINA - Music for peace

Datum: 28. August 2019 um 12:40:05 MESZ
An: <info@boettcher-film.de>


Sehr geehrter Herr Boettcher,
zunächst möchte ich Ihnen, auch im Namen von Herrn Dr. Klein, für Ihr Schreiben danken. Herr Dr. Klein hat mich gebeten, Ihnen zu antworten.

Leider muss ich Ihnen mitteilen, dass die von Ihnen erhoffte Förderung Ihres Filmes über die Sängerin Belina aus den hier zur Verfügung stehenden Mitteln nicht in Betracht kommt.

Bei der Zweckbestimmung für diese Bundesmittel liegt der Fokus –neben der Bekämpfung von Antisemitismus- auf Projekten, die heutiges jüdisches Leben in Deutschland unterstützen und darstellen. Hierbei gilt es, eine möglichst breite räumliche sowie inhaltliche Ausstrahlung zu erzielen.

Dieser Zweck lässt sich bei der Fokussierung auf nur einzelne Personen, auch wenn deren Schicksal unbestritten erzählenswert ist, in der Regel nicht erzielen. Auch liegt Ihr Filmprojekt mit seinem eher musikalisch-künstlerischem Charakter nicht im Schwerpunkt unseres Förderbereichs. Bei der Vielzahl der hier eingereichten interessanten Projektanträge müssen wir deshalb eine strenge Auswahl treffen und können Ihrer Unterstützungsbitte nicht nachkommen.

Vielleicht kommt für Ihr Filmprojekt aber eine Förderung durch die Staatsministerin für Kultur und Medien in Betracht. Sie sollten diese Möglichkeit jedenfalls nicht unversucht lassen und sich über die Fördermöglichkeiten informieren. Den Link auf die Seite, die die Bedingungen für eine Förderung aufzeigt füge ich Ihnen bei.

https://www.bundesregierung.de/breg-de/bundesregierung/staatsministerin-fuer-kultur-und-medien/medien/filmfoerderung 

Ich bedauere, Ihnen unsererseits keine positive Nachricht geben zu können, wünsche Ihnen aber für Ihr Filmprojekt insgesamt viel Erfolg!

Mit freundlichen Grüßen

Im Auftrag

Martina Mampel
________________________
Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat

- Referat H I 3 -

----------------------------------------------------------------------------------------------------------

Beauftragter der Bundesregierung für jüdisches Leben in Deutschland und Kampf gegen Antisemitismus im Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat

Referat H I 3

Frau Martina Mampel

Sehr geehrte Frau Mampel.

Mir liegt Ihre Korrespondenz mit dem Filmemacher Marc Boettcher vor, der ein Fernsehportrait über die jüdische Sängern Belina realisieren möchte. Ein Projekt, das – wie er Ihnen schrieb – für die heutigen TV-Macher „nicht kommerziell oder DEUTSCH genug sei. Damit könne man keine Quoten erzielen, die Protagonisten kenne keiner mehr.”

Daher hatte er „notgedrungen” zu einer öffentlichen Gruppenfinanzierung (Crowdfunding) aufgerufen, die in Kürze ausläuft und – aus heutiger Sicht – wohl schwerlich das Etappenziel erreichen wird.

www.startnext.com/belina-music-for-peace

Sie haben seine direkte Bitte an Dr. Felix Klein um Unterstützung in einem Wortlaut zurückgewiesen, der zur Frage berechtigt, ob sie möglicherweise die öffentliche Bedeutung seines Vorhabens nicht nachvollziehen oder – schlimmer noch – seinen Brief nur „einäugig” gelesen haben.

Natürlich müssen Sie angesichts der begrenzten Mittel Prioritäten setzen.

Dass der „Beauftragter der Bundesregierung für jüdisches Leben in Deutschland und Kampf gegen Antisemitismus” solche Gelegenheiten sinnvoller Maßnahmen mit „kalten” Formbriefen vom Tisch fegt, bestätigt nur meine kritische Meinung über den wirklichen (Un-) Sinn einer solchen Institution. 

Sofern das Boettcher-Projekt nicht den förderungswürdigen Vorgaben entspricht, hätten Sie es wenigstens in einer persönlich würdevollen Form begründen können (müssen).

Meine Mutter Belina (https://de.wikipedia.org/wiki/Belina_(Sängerin)) hat im Auftrag des Goethe-Institutes mit Ihrer internationalen Folklore in weiten Teilen dieser Welt einen nennenswerten Beitrag zur Verständigung der Völker geleistet. Und gerade ihre jüdische Musik wäre ein wunderbares „Gegenmittel” zur beschämenden Renaissance des Antisemitismus in diesem Land.

Sehr geehrte Frau Mampel, der Schaden Ihrer frostigen Abweisung erscheint mir erheblich größer als die Zuwendung, um die Sie ein Filmemacher gebeten hat, der mit großem persönlichen Aufwand etwas tun möchte, wofür Ihr Amt innerhalb des Bundesinnenministeriums eigentlich zuständig wäre.

Und als (stolzer) Jude und Sohn von Holocaust-Überlebenden dürfen Sie Ihrem Vorgesetzten gern ausrichten, das wir uns ebenso wenig auf (Alibi-) Amtsträger der Bundesregierung oder auf die beschämenden Empfehlungen des Zentralrates verlassen sollten, die uns dazu bewegen wollen, unsere Herkunft öffentlich zu kaschieren. Das erinnert mich an die unrühmlichen Judenräte, die teilweise verräterische Handlanger der Nazis waren.

 Beste Grüße

Michel Rodzynek


© Michel Rodzynek 2020