Keren Hayessod ermöglicht allen Juden die Einwanderung nach Israel und unterstützt verarmte Holocaust-Überlebende


September 2020. In seinem 72-jährigen Bestehen hat sich die Bevölkerung Israels auf über fast neun Millionen Bürger nahezu verzehnfacht. Über ein Drittel der Israelis sind Einwanderer aus zahlreichen Ländern, die zu einem großen Teil mit der organisatorischen und finanzieller Hilfe staatlicher Organisationen „nach Hause” geholt worden sind. Allein in den letzten zehn Jahren haben sich über 1,5 Mio. Menschen entschieden, ihren Lebensort nach Israel zu verlegen. 

Großen Anteil an die Zuwanderung hat die „United Israel Appeal” (Keren Hayessod). Sie befreit zum Teil mit großem Aufwand insbesondere Menschen aus Krisengebieten mit schwierigen Rahmen­bedingungen für die jüdischen Minderheiten. Im Gegensatz zu Europa ist für Israel die Integration von Zuwanderern ein zentraler Bestandteil der Staatsraison. Die Einwanderung nach Israel steht jedem Juden als „Recht zur Rückkehr” offen. Ebenso auch der Anspruch auf die israelische Staatsangehörigkeit.

Grundlage der zionistischen Ideologie ist ein Jüdischer Nationalstaat. Nachdem die Mehrheit der UNO-Mitglieder seine Errichtung zugestimmt hatten, proklamierte David Ben Gurion am 14. Mai 1948 den Staat Israel. Er war der erste Minister-präsident und Gründer der Arbeiterpartei. Unmittelbar danach musste die kleine und schwach ausgerüstste IDF (Israel Defense Force) massive Angriffe der militärisch übermächtigen Nachbarländer abwehren und die Existenz der jüdischen Nation in einem verlustreichen Unabhängigkeitskrieg verteidigen. Dass Israel heute zu den wissenschaftlich, technologisch und kulturell führenden Nationen zählt, begründet sich maßgeblich auch durch seine kontinuierliche Zuwanderung.

Um diese insbesondere sozial schwachen oder politisch bedrohten Menschen zu ermöglichen, wurde Keren Hayessod (KH) bereits 1920 auf dem zionistischen Weltkongress in London gegründet. Kernaufgabe war die Beschaffung von finanziellen Mitteln. Damit sollte die Entwicklung des Staates zusätzlich durch Spenden aus aller Welt gefördert und und die spätere Einwanderung nach Ende des britischen Mandats (1948) im großen Umfang ermöglicht werden. Daran hat sich bis heute nichts geändert, wobei die Organisation inzwischen ihre Aktivitäten auf viele soziale Projekte erweitert hat. Sie kommen insbesondere Kindern und Jugend-lichen sowie Senioren (Holocaust-Überlebenden) und kranken Menschen zu Gute.


In Israel lebt fast jeder zweite Holocaust-
Überlebende unter der Armutsgrenze

Mit dem aktuellen „Amigour-Projekt” unterstützt die vielseitige Organisation ältere Menschen. Darunter fast die Hälfte der noch 180.000 Überlebenden des Holocausts, die maßgeblich zur Gründung des Staates beigetragen haben und heute unter der Armutsgrenze leben. Um diese Menschen von der Obdachlosigkeit zu bewahren, fördert KH die Entwicklung von geeigneten Unterkünften. Inzwischen konnte „Amigour” mehr als 8.000 Plätze in 57 Heimen schaffen. Nach Angaben der Verantwortlichen, entspricht das aber nur zehn Prozent des wirklichen Bedarfs. Der überwiegende Teil dieser Israelis lebt unter erbärmlichen Bedingungen und wartet dringend auf eine Unterbringung in einem geeigneten Wohnkomplex. In der südlichen Stadt Beer Sheva entsteht demnächst ein Wohnhaus mit 120 Apartments, das nach dem bekannten deutschen Generalstaats-anwalt Fritz Bauer benannt wird. Der berühmte Jurist und Ankläger in mehreren NS-Prozessen war auch an der Entführung Adolf Eichmanns nach Israel beteiligt. Um die Realisierung des neuen Bauvorhabens zugunsten der Holocaust-Überlebenden zu fördern, bittet KH jetzt auch Spender in Deutschland um ihre Unterstützung für das Fritz-Bauer-Projekt. 

Die Gruppenfinanzierung erfolgt jetzt am Sonntag bis Dienstag (13.-15. 9.2020) unter 

https://bit.ly/3l34Pr8 

© Michel Rodzynek 2020