Mehr Freunde wenn Israel
kein jüdisches Land wäre?

Über 1000 europäische Abgeordnete aus 25 Ländern warnen vor der israelischen Absicht, Teile des Westjordanlandes zu annektieren. Der  massive Protest von mitunter prominenten Politikern aus fast allen Parteien soll die Regiewrung in Jerusalem von der Umsetzung ihrer aktuellen Pläne abhalten. Die Annexion ist übrigens ebenso in weiten Teilen der eigenen Bevölkerung umstritten. Gleichwohl dürfte der zunehmende Druck aus Europa und die angedeutete Möglichkeit entsprechender Sanktionen genau das Gegenteil des eigentlichen Zweckes bewirken.
Egal wie man über Benjamin Netanjahu und seine Regierungspolitik denkt, die Berechtigung zur Einmischung durch die Europäische Union relativiert sich allein schon durch ihr politisch kollektives Versagen im Konfliktgebiet. Statt einen friedensbringenden Dialog zwischen Israelis und Palästinenser zu fördern und gegebenenfalls zu moderieren, überweisen sie große Millionenbeträge an die Autonomiebehörde von Mahmud Abbas. Gelder, die angeblich zu einem beträchtlichen Teil in den persönlichen Taschen palästinensischer Funktionäre versickern.
Das größte Versäumnis von Deutschlands Aussenminister Heiko Maas und seinen Amtskollegen in fast allen Mitgliedsstaaten besteht in der unveränderten Ignoranz der realen Gegebenheiten. Bis heute gibt es europaweit keinen offiziellen Appell an Abbas und der konkurrierenden Hamas-Führung, das Existenzrecht Israels endlich offiziell anzuerkennen. Seit Staatsgründung 1948 steht die Vernichtung der jüdischen Nation auf der politischen Charta eines heimatlosen Volkes, das seine wirklichen Feinde mehr in den Regierungsstuben von Gaza und Ramallah statt in Jerusalem suchen sollte.
So gesehen dürfte diese politische Ohnmacht und Einseitigkeit in der Europäischen Union für die Verantwortlichen in Israel mehr Trotz als Besinnung erzeugen. Nach der europaweiten Tatenlosigkeit beim Völkermord durch Nazi-Deutschland und der heutigen Position liegt die zynische Erkenntnis nahe: „Israel hätte wesentlich mehr Freunde, wenn es kein jüdisches Land wäre”.

© Michel Rodzynek 2020