Auch Sie haben Schuld,
 Dr. Josef Schuster!


5. Oktober 2020. Die Suche nach den Hintergründen für die zunehmenden Angriffe auf Synagogenbesucher führt auch direkt in die Chefetage des Zentralrates der Juden in Deutschland. Ihr Präsident Dr. Josef Schuster hat mit seinen weltweit umstrittenen Empfehlungen, keine Kippa in der Öffentlichkeit zu tragen, genau das Gegenteil seiner Absicht bewirkt.
Ich meine: Ein wirkungsvoller Schutz von jüdischem Leben kann nicht durch die Verheimlichung unserer Herkunft erfolgen. Die damit offenbarte Angst vor Antisemiten dürfte bei potentiellen Angreifern eher ermutigend wirken, da sie von konfliktscheuen Opfern kaum Gegenwehr zu erwarten haben.

Sehr geehrter Herr Dr. Schuster, mit Ihrer Weltanschauung gehören Sie in eine vergangene Epoche, die sich nie wiederholen darf und Dank Israel wohl auch nicht wird. Statt aufrechten Stolz und Selbstbewusstsein predigen Sie herkunftsleugnende Furcht und resignierende Feigheit im angeblichen Interesse der Juden in Deutschland.
Das einzige Interesse, das Sie unverkennbar vertreten, ist die Erhaltung ihrer persönlichen Macht als Oberhaupt einer Völkergemeinschaft, die Sie persönlich gar nicht gewählt hat.

Ohne die veraltete und undemokratische Satzung Ihrer Körperschaft wären Sie selbst schon längst Geschichte.
Mit offensiver Politik und mutiger Haltung hätten Sie ebenso den Anschlag in Halle als auch den gestrigen Angriff vor der Hamburger Synagoge (vielleicht) verhindern können.
Zumindest haben Sie es offenkundig versäumt, die verantwortlichen Entscheidungsträger der Bundesregierung mit allem Nachdruck davon zu überzeugen, israelische Sicherheitskräfte (und seien es privatwirtschaftliche Spezialisten) für den Schutz jüdischer Einrichtungen zuzulassen.

Es steht ja wohl ausser Frage, dass die deutsche Polizei – aus welchen Gründen auch immer – dieser Aufgabe nicht gewachsen sein kann oder will. Das war schon bei den Olympischen Spielen 1972 in München so, als Innenministerium und Polizeipräsidium den Eingriff einer israelischen Einheit verhinderten, die bereits vor Ort war. Der Rest der traurigen Geschichte ist bekannt. Sie endete in einem furchtbaren Blutbad in Fürstenfeldbruck.

Nehmen Sie sich endlich ein Beispiel an den internationalen Gepflogenheiten der freien Wirtschaft. Wenn Manager scheitern, nehmen Sie ihren Hut. Freiwillig oder mit entsprechender Nachhilfe. Auch Sie hätten ihn längst schon an den Nagel hängen müssen und damit möglicherweise dem jungen Studenten vor der Hamburger Synagoge seine schweren Kopfverletzungen erspart.

© Michel Rodzynek 2020