„...dann doch lieber Mustafa 

als Moishe”

November 2015. Das wiedervereinte Groß-Deutschland spaltet sich durch seine politisch grund­legend verschiedene Gesinnung. Speziell in den „neuen” Bundesländern offenbaren sich fremden­feindliche Ressentiments. Sie drehen das Rad der tragischen Geschichte auf eine Zeit zurück, die vor dem Hintergrund der Massenflucht aus den nahöstlichen Krisengebieten eine erschreckende Renaissance erlebt. Wie denkt ein gutbürgerlicher Deutscher im mittleren Alter mit festem Bürojob im schönen Sachsen? Diese aktuelle Frage möchte ich im frei erfundenen (Phantasie-) Interview mit Walter Ul. beantworten. Einem Gesprächspartner, den ich nie getroffen habe.

Herr Ul., nach der Wiedervereinigung vor mehr als 25 Jahren gilt die Bundesrepublik Deutschland heute weltweit als demokratisch, liberal und einflussreich. 

Walter Ul.: „Und das soll ich gutheißen? Ich fand uns besser als wir gar nicht beliebt waren. Außerdem interessiert mich vor allem, was wir Deutsche über unser Deutschland denken.”

Was denken Sie über dieses Land? 

Walter Ul.: „Armes Deutschland, was ist nur aus Dir geworden? Wir sind heute ein offener Zufluchtsort nicht nur für bedrohte Flüchtlinge, sondern auch für Parasiten, die es in ihrer Heimat zu nichts gebracht haben. Und was da aus Arabien zu uns kommt, hat doch in unserer heilen Welt nichts verloren. Ich habe ja heute schon Angst, wenn meine 16-jährige Tochter bei Dunkelheit noch auf der Straße ist.”

Das klingt ja nach rechtsextremer Propaganda

Walter Ul.: „Das sind vielmehr die aktuellen Sorgen eines Vaters, der Nachts schlecht schläft. Mich quält die Angst, dass mein unschuldiges Kind in falsche Hände kommen könnte. Das müssen Sie verstehen; diese Ölaugen stehen doch auf schlanke Mädchen mit blondem Haar und heller Haut. Mein Gott, wir sind doch keine Außerirdischen mit exotischen Ansichten. So wie ich denken viele in diesem Land. Unserem Land, wohlgemerkt. Ich habe ja nichts gegen gelegentliche Besucher aus anderen Ländern, aber ich sehe nicht ein, weshalb wir diese Dauergäste nun jahrelang durchfüttern sollen. Dafür gehe ich nicht arbeiten.”

Haben Sie durch die Flüchtlinge weniger im Portemonnaie oder persönliche Nachteile?

Walter Ul.: „Noch nicht. Aber auf Dauer zahlen wir , die ausgenutzten Bürger doch die ganze Zeche. Die Regierung sollte das Geld lieber für deutsche Bedürfnisse ausgeben. Ein Kumpel erzählte mir neulich vom Studienzentrum Weikersheim, das hervorragende Beiträge zur Erhaltung der deutschen Kulturwerte leistet. Ich wusste gar nicht, dass wir so tolle Einrichtungen in Deutschland haben. Das Institut ist wohl zu Zeiten des baden-württembergischen Ministerpräsidenten Hans Karl Filbinger gegründet worden. Der war noch ein echter Deutscher, der den wertvollen Geist unserer führenden Nation erhalten wollte.”

...und ein Scharfrichter bei den Nazis!

Walter Ul.: „Ja, ja, diese verlogene jüdische Propaganda. Der Filbinger war ein großer Patriot, den sie abgesägt haben, weil er sich kompromisslos zu seinem Deutschsein bekannt hat. Diese klaren Köpfe fehlen uns heutzutage. Stattdessen lassen wir uns von den gierigen Juden finanziell leersaugen, weil sie uns ständig ein schlechtes Gewissen machen. Ich kann´s nicht mehr hören.” 

Finden Sie es nicht gut, dass sich das Verhältnis zwischen Deutschen und Juden nach dem schrecklichen Holocaust fast normalisiert hat?

Walter Ul.: „Das glauben Sie doch wohl selbst nicht. Die Juden sind doch nur deshalb nett zu uns, weil wir Ihnen noch immer Geld für etwas bezahlen, was schon längst verjährt ist. Und immer wieder hacken sie mit der Holocaust-Keule brutal auf uns ein, damit wir ja nicht etwas vergessen, das uns immer wieder vorgehalten wird. Jetzt ist diese Geschichte sogar in vielen Städten buchstäblich eingepflastert. Stolpersteine vor Häusern in Erinnerung an jüdische Bürger, die mal dort gelebt haben sollen. Wen interessiert das? Ich bin übrigens schon paar Mal umgezogen; meine ehemaligen Vermieter haben für mich keinen Stolperstein in den Bürgersteig verlegt. Na ja, diese Steine haben auch etwas Gutes. Mir macht es jedenfalls immer wieder Vergnügen, mit deutschen Stolz auf diese Messingdinger zu treten. Da können Sie mal sehen, wie dumm diese Idee doch eigentlich sind. Dass sie uns damit quasi dazu einladen, auf tote Juden herum­zutrampeln, war gewiss nicht gewollt. Ich jedenfalls lasse auf meinen Wegen keinen Stolperstein aus.” 

Sie sind also ein typischer Antisemit?

Walter Ul.: Dieses Wort klingt ja wie eine verwerfliche Krankheit. Ich habe die richtige Einstellung. Mir sind die Juden eigentlich ziemlich egal. Aber sie bringen uns in den Ruin und lassen uns Milliarden dafür bezahlen, das wir damals von einem Nationalbewusstsein überzeugt waren, das uns heute fehlt. Diese wunderbare Ideologie aus dem Ende des 19. Jahrhundert stammt immerhin aus dem deutschen Kaiserreich. Auch in Österreich und Ungarn war dieses innovative Gedankengut weit verbreitet.”

Was eigentlich gefällt Ihnen nicht an unserer heutigen Politik?

Walter Ul.: „Die amtierenden Politiker kümmern sich mehr um Ausländer als um die eigenen Landsleute und fördern eine erdrückende Überfremdung. Gehen Sie mal auf einen Weihnachtsmarkt; da geht es ja mittlerweile zu, wie auf einem arabischen Basar. Oder nehmen Sie doch den Fußball. In allen Ligen verdrängen Söldner aus dem Nahen- und Mittleren Osten sowie aus Afrika und Asien unsere benachteiligten Einheimischen. Wenn man heute unter Deutsche sein möchte, kann man sich eigentlich nur noch in die typischen Stammkneipen verziehen. Das sind noch ausländerfreie Zonen. Da fühle ich mich Zuhause unter Gleichgesinnten.”

Aber wieso nehmen Ihnen denn unsere ausländischen Bürger und Flüchtlinge heimische Gefühle?

Walter Ul.: „Weil sie ein andere Sprache sprechen, anders aussehen und keinen Respekt vor deutschen Grundwerten wie Ordnung, Disziplin und Gehorsamkeit haben. Außerdem sind die meisten von ihnen schlichtweg faul und die Kerle glotzen unverschämt unsere Frauen an. Die machen doch vor nichts halt.”

Was würden Sie dazu sagen, wenn ihre Tochter einen syrischen Freund mit nach Hause bringt?

Walter Ul.: „Um Gottes Willen, malen Sie nicht den Teufel an die Wand. Wir haben unserem Kind von kleinauf die Grundwerte vermittelt, die man von einem anständigen deutschen Mädchen erwarten muss. Da ist kein Platz für irgend so einen Mustafa, Ali oder Yussef. Ich meine, so einen nutzlosen Kerl, der seine Füße unter meinen Tisch streckt und auf unsere Kosten wie die Made im Speck lebt. Wenn meine Tochter so einen Typen anschleppt, kann sie gleich ihre sieben Sachen packen.” 

Und was wäre mit einem jüdischen Freund?

Walter Ul.: „Nein, nein, das wäre völlig undenkbar, denn meine Tochter hat schließlich ordentliches deutsches Gedankengut mitbekommen. Auf einen Juden würde sie sich garantiert nicht einlassen. Das wäre ja wie Hochverrat.” 

Oder einfach nur Liebe?

Walter Ul.: „Sie meinen einen Juden, der seine Herkunft verheimlicht. Das wäre übel, denn manche sehen ja auch aus wie normale Menschen. Eine schlimme Vorstellung. Wenn das passieren würde, wäre mir doch Mustafa lieber als Moishe.”

Lieber Walter Ul., ich danke Ihnen für das Gespräch und wünsche Ihnen viele reinrassige Enkelkinder von einem Vater, der die deutschen Kulturwerte zu schätzen weiss und heldenhafte Zeugungsbeiträge leistet, um diese Republik vor Überfremdung zu schützen.     

© Michel Rodzynek 2020