Kommunikations-Chaos um die 

manipulierten Dieselmotoren 


Im eskalierenden Streit zwischen Politik, Behörden,
Industrie und Umweltler verlieren die Autofahrer
 

1. August 2017. Da hat Jürgen Resch (57), Geschäftsführer der Deutschen Umwelthilfe (DUH), mal so richtig „schmutzige” Luft abgelassen.  Sein öffentlich geforderter Pflicht-Rückruf  für alle neueren Diesel war gepickt von heftigen Anschuldigungen gegen eigentlich alle, die irgendwie mit der Automobilbranche zu tun haben. Politik, Behörden und Hersteller ­sollen quasi ein Pakt des Unrechts geschlossen haben und mit ihren offenkundigen Machenschaften sogar Todesopfer verursachen. Einer Studie zufolge sterben weltweit jährlich über 100.000 Menschen durch Stickoxide. Dabei soll angeblich mehr als jedes dritte Opfer deshalb ums Leben kommen, weil die Abgaswerte von Diesel-Motoren nicht eingehalten werden. Von diesen 38.000 Todesfällen in 2015 entfallen den vorliegenden Hochrechnungen zufolge etwa 11.400 auf die EU. Danach, so diese unbelegten (!) Behauptungen, wären die deutschen ­Autobauer entlarvte Massenmörder. Und die weltrettende DUH bekleidet hierbei die ­heldenhafte Position des unermüdlichen Widerstands gegen die bösen weitreichenden Einflüsse der ­umtriebigen Lobbyisten der Industrie. Die gestrige DUH-­Pressekonferenz war jedenfalls eine Steilvorlage für gepfefferte Verleumdungsklagen der beschuldigten Parteien.    

Der scharfzüngige Umwelthilfe-Chef, der in den knapp 30 Jahren seiner Saubermann-Karriere wohl auch einige persönliche Erniedrigungen durch amtierende Automobil-Bosse wegstecken musste, schlägt nun verbal massiv zurück und droht mit weiteren Klagen. Sein Verein pocht auf kompromisslose Fahrverbote und fühlt sich jetzt durch ein vorläufiges Urteil des Stuttgarter ­Verwaltungsgerichtes bestärkt. Mir kommt es vor, als wolle man die großen Konzernbosse bestrafen, in dem man die unschuldigen Autofahrer aus den Städten aussperrt.  Ich bezeichne so etwas als eine strategisch hinterhältige Manipulation, mit der er das Volk zu einer folgenschweren Eskalation aufbringen möchte. Dabei soll sich der massive Zorn einer fahrblockierten Diesel-Kundschaft gegen die „Übeltäter” richten, die astronomische Gewinne auf Kosten unserer belasteten Umwelt erwirtschaften sollen. Das erinnert an den Wilden Westen: Der gute John Wayne im Gerechtigkeitskampf gegen den bösen Apachen-Häuptling.

Gleichwohl ist die Problematik um die Abgaswerte heutiger Dieselfahrzeuge keineswegs schwarz oder weiß. Einen Tag vor dem großen Diesel-Gipfel mit neun Ministerpräsidenten, ­mehreren Verbands- und Gewerkschaftschefs sowie den viel­gescholtenen Autobossen sorgen veröffentlichte Forderungen und Spekulationen für zusätzliche Unsicherheit in der Bevölkerung. Der lediglich auf zwei Stunden (!) befristete Krisengipfel soll nun das angeblich Unmögliche möglich machen. Nämlich die Luftqualität in den Städten zu verbessern, ohne Fahrverbote gegen die in Misskredit ­geratenen Diesel-Autos zu verhängen. Außerdem hoffen die Initiatoren,  verlorenes Vertrauen in die Automobilindustrie und die Verlässlichkeit der Politik wieder zu reanimieren.

Neben den bislang offenen Fragen nach technisch, logistisch und wirtschaftlich realistischen Möglichkeiten einer norm­gerechten Umrüstung von Dieselmotoren sollten die Gipfel­teilnehmer auch dringend gebotene Maßnahmen zur Auflösung des Kommunikations-Chaos um manipulierte Dieselmotoren diskutieren. Die aktuelle Berichterstattung zu dieser Thematik hat mehr Unsicherheit verbreitet als überfällige Informations­ansprüche zu erfüllen. Diese Kritik richtet sich besonders auch an DUH-Geschäftsführer Resch, der das mediale Interesse nach einem – noch nicht rechtsgültigen Richterspruch – für seinen ­unverkennbar persönlichen Rachefeldzug gegen die „mafiösen”  ­Automobilhersteller und dem „korrupten” Kraftfahrt Bundesamt missbraucht hat. 

„Made in Germany” genießt gerade beim Automobil einen weltweit führenden Ruf. Entgegen den aktuellen Negativ-­Schlagzeilen stehen außergewöhnliche Innovationsleistungen für mehr Sicherheit, Wirtschaftlichkeit, Alltagstauglichkeit sowie Komfort und Fahrspaß. Die Konzerne verfügen über genügend Knowhow und Kreativität, um gewiss die zurecht geforderten Ansprüche zu erfüllen. 

Sehr geehrter Herr Resch, die schlimmen Verfehlungen eines Unternehmens sind keine Grundlage für global verall­gemeinernde Verunglimpfungen einer kompletten Branche. Es geht um die Zukunft des Automobils in einer Welt, in der Umwelt- und Klimaschutz große Herausforderungen stellen. Dass der VW-Skandal ausgerechnet in einem Land aufgedeckt wurde, das unter seiner aktuellen Präsidentschaft die Zusagen der Pariser Klimakonferenz zurückgezogen hat, dokumentiert jedenfalls die verrückte Welt, in der wie heute leben.    

© Michel Rodzynek 2020